Gewandelt

Gewandelt

 

Gewandelt

 

Die Stirn umwölkt, zerfurcht von Sorgenfalten

knie ich in der Kirchenbank, versuche ein Gebet.

Ein paar Bänke vor mir turnt ein Kleinkind herum,

Kniebank, Sitzbank, rauf und runter,

hockt sich mit dem Rücken zum Altar auf die Sitzbank,

wackelt, zappelt, starrt mich an.

 

Der Priester spricht die Wandlungsworte.

Ich versuche, mich zu konzentrieren, schaue zum Altar.

Aber mein Blick gleitet immer wieder hin zu dem Kind.

Welche eine Zumutung!

Kleine Kinder, die sich nicht benehmen können,

sollten die Eltern zu Hause lassen.

 

Am liebsten würde ich …

Nun winkt es mir auch noch zu.

Ich schüttle den Kopf. Lass mich in Ruhe!

Jetzt probiert es ein vorsichtiges Lächeln.

Ich schaue ernst und streng und wende den Blick ab,

konzentriere mich auf die heilige Handlung.

 

Soviel Trost hatte ich heute von Gott erwartet!

Stattdessen stört mich dieses ungezogene Kind,

das ungeniert in meine Gebete hinein lächelt,

mitten hinein in mein Sorgengesicht,

bis auch ich vorsichtig ein Lächeln versuche

und für einen Augenblick meine Sorgen vergesse.

 

Lächelnd blicke ich wieder nach vorn zum Altar.

Gewandelt.

 

© Gisela Baltes