Kain und Abel

Kain und Abel

Kain und Abel

 

Kain und Abel,

eine Geschichte, die mich nicht loslässt.

Ich möchte sie umändern, neu schreiben.

 

Für dich, Kain, möcht' ich sie ändern,

zurückgewiesener, unglücklicher Bruder Kain.

Da stehst du, einsam, verbittert und traurig

vor dem verkohlten Rest deiner Gaben.

Wieder blieben dir Anerkennung und Segen versagt.

Du wolltest fordern, erzwingen,

Rechte einklagen, die du nicht hast.

Eifersüchtig verschließt du dein Herz.

Enttäuscht und trotzig kehrst du dich ab.

 

Als Abel will ich dich in die Arme nehmen,

als der bevorzugte, der glückliche Abel,

von Gott gesegnet, von dir beneidet.

Da lachst du dein wildes Lachen mir ins Gesicht.

Ja, lache böse, unglücklich, verzweifelt!

Sei zornig und wüte!

Doch schick mich nicht fort!

Du hast es nicht nötig zu töten.

Lass mich dir helfen, deinen Kummer zu tragen.

Erkenne: Ich, Abel, bin ein Teil deiner selbst.

 

Nicht länger nur Kain, sondern mit Abel

eins geworden, versöhnt, vereinigt,

tritt hin vor den Herrn,

um mit Geduld und Vertrauen

nicht länger fordernd, nur bittend,

immer wieder erneut Seinen Segen zu suchen.

 

© Gisela Baltes

[siehe auch unter der Rubrik Geschichten:  "Das letzte Opfer Kains"]